Marcel Hennig fertigt vor allem Sonderstücke. Hier schweißt er an einer Maschine, mit der man ungewöhnliche Winkel montieren kann.

Rundbögen und spitze Winkel

Marcel Hennig ist Berlin-Brandenburgs bester Auszubildender unter den Kunststofftechnikern. Die Branche sucht Nachwuchs.

Ein bisschen muss sich Marcel Hennig wie ein Exot fühlen. Der Lühnsdorfer hat gerade bei der Firma Porta Bauelemente in Linthe seine Lehre zum Verfahrensmechaniker abgeschlossen. Im Betrieb ist er nun der erste ausgebildete Kunststoff- und Fensterbauer. Seine Kollegen sind überwiegend Quereinsteiger, gelernte Tischler oder Zimmerleute – Handwerker –, die Maschinen bedienen.

Auch Hennig ist eher durch Zufall an die dreijährige Ausbildung geraten. Er wollte ursprünglich in die Landwirtschaft, war dann aber als Leiharbeiter bei Porta tätig und wurde angestellt. An eine Ausbildung hatte er dabei gar nicht gedacht, ließ sich aber schließlich darauf ein – und bestand Mitte des Jahres mit Bravour. 86 Punkte machte er, Bestwert unter rund 100 Auszubildenden der Verfahrensmechanik für Kunststoff- und Kautschuktechnik in Berlin und Brandenburg.

Hennig reizen an seiner Arbeit vor allem die Sonderanfertigungen wie zum Beispiel Vieleckfenster oder Rundbögen. „Durch die Winkelarbeit wirst du vor ganz andere Probleme gestellt“, sagt Hennig. Er übernimmt dann für ein Fenster die ganze Produktion vom Zuschnitt des Rohlings bis zum Einsetzen des Glases.

Ein gewisses Sicherheitsbewusstsein für den Umgang mit den Maschinen müsse man mitbringen, ansonsten erlerne man aber alles im Laufe der Ausbildung, erklärt Hennig. An den großen vollautomatischen Maschinen springt er gelegentlich für die Kollegen ein. Ansonsten kümmert er sich um die Sonderanfertigungen. Über die Schulter guckt ihm dabei Vater Fred Hennig, der seit mehr als 20 Jahren in der Firma beziehungsweise dem Vorgängerunternehmen arbeitet. „In Sachen Genauigkeit ist er schon besser als ich“, erklärt der Senior mit einem Schmunzeln.

Marcel Hennig ist froh, etwas in der Region gefunden zu haben und hofft, dass ihm andere Auszubildende folgen. Auch Betriebsleiter Olaf Häusler würde sich junge Fachkräfte wünschen, doch es fehle an Bewerbern.

„Fachkräfte sind in ein Thema, das immer dringender wird“, sagt Hubert Lerche, Vorsitzender des Kunststoff-Verbundes Brandenburg-Berlin. Er stattete der Firma gemeinsam mit Schatzmeister Rainer Erbisch einen Besuch ab, um die Auszeichnung für den besten Azubi persönlich zu überreichen. Mit dieser ist ein Scheck über 250 Euro verbunden.

„Es wissen alle, wie hart der Wettbewerb ist“, so Lerche. Durch die demographischen Veränderungen sei es an den Unternehmen, um gute Auszubildende zu werben. „Kunststofftechniker ist ein bodenständiger, wichtiger Beruf“, hält Lerche fest. Es sei wichtig, den jungen Menschen zu vermitteln, dass es auch in der Region berufliche Perspektiven gebe.

Von seiner Firma erhielt Hennig für seine gute Prüfungsleistung ebenfalls eine Aufmerksamkeit: Ein Wellnesswochenende in einem Hotel in Hamburg. Darauf freut sich der 25-Jährige schon.

300 Fenster pro Tag

Die Firma Porta Bauelemente im Linther Gewerbegebiet stellt vor allem Fenster und Türen aus Kunststoff her. Hierzu werden sechseinhalb Meter lange Rohlinge in mehreren Schritten verarbeitet. Der Ablauf ist überwiegend automatisiert. Zwischen dem ersten und letzten Arbeitsschritt der Fertigung eines Fensters vergehen 40 Minuten. 300 Fenster werden am Tag in Linthe produziert. Sie machen das Kerngeschäft aus. Spezielle Wünsche werden darüber hinaus als Sonderanfertigungen realisiert. 96 Mitarbeiter hat die Firma insgesamt, die meisten von ihnen sind Quereinsteiger aus verschiedenen Handwerksberufen.

Quelle: MAZ