Das Glas für sicheres Wohnen und Arbeiten
Glas kann auf vielfältige Weise zum Schutz von Menschen in Gebäuden eingesetzt werden und ermöglicht dabei gleichzeitig helle, freundliche und offene Designs. Um den vorsätzlichen Durchbruch zu erschweren, bestehen Verbundgläser aus zwei oder mehreren Glastafeln, die durch eine innen liegende Kunststofffolie miteinander verbunden sind.
Die Bedeutung von Sicherheitsglas – Wie definieren wir „Sicherheit” und „Schutz”?
Zwar sind Sicherheit und Schutz eng miteinander verknüpft, es ist aber wichtig, den Unterschied zwischen den beiden Begriffen zu verstehen, um das für die jeweilige Anwendung bestgeeignete Glas zu finden.
Der Begriff „Sicherheit” bezieht sich auf Verglasungen, die das Verletzungs- und Unfallrisiko durch Glasbruch oder durch Splitter reduzieren. Der Begriff „Schutz” hingegen wird im Zusammenhang mit Verglasungen verwendet, die zusätzlich zur Sicherheit Schutz gegen gezielte Angriffe verschiedenster Art – z.B.Einbrüche – bieten. Zu beachten ist, dass für gewöhnlich bei hohen Anforderungen das System, bestehend aus Glas und Rahmen, geprüft werden muss.
Die Normen
EN 12600 Glas im Bauwesen – Pendelschlagversuch
Verfahren für die Stoßprüfung und Klassifizierung von Flachglas.
Der Pendelschlagversuch mit dem Zwillingsreifen ist das Standardverfahren für die Klassifizierung von Flachglasprodukten hinsichtlich ihres Stoß und Bruchverhaltens. Hierbei wird ein 50 kg schwerer Zwillingsreifen aus 3 unterschiedlichen Höhen gegen eine Verglasung gependelt. Dies soll den Aufprall eines Erwachsenen mit unterschiedlichen Energien bzw. Geschwindigkeiten simulieren.
EN 356 Glas im Bauwesen – Sicherheitssonderverglasung
Prüfverfahren und Klasseneinteilung des Widerstandes gegen manuellen Angriff.
Diese Norm legt die Anforderungen und das Prüfverfahren für Glas fest, das gegen manuelle Angriffe dimensioniert wird. Das Glas wird für die Klassen P1A bis P5A im sogenannten Kugelfallversuch getestet. Hierbei „fällt“ eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von 100 mm aus unterschiedlichen Höhen auf den Probekörper. Das Glas darf brechen, die Kugel aber nicht durch das Glas schlagen.
Für die Klassen P6B bis P8B wird das Glas mit einer maschinell geführten Axt getestet. Je mehr Schlägen das Glas widersteht, desto höher ist die Widerstandsklasse.
EN 1063 Glas im Bauwesen – Sicherheitssonderverglasung
Prüfverfahren und Klasseneinteilung für den Widerstand gegen Beschuss.
Diese Norm legt die Anforderungen und Prüfverfahren für die Klassifizierung von durchschusshemmender Verglasung fest, basierend auf Angriffen mit Faustfeuerwaffen, Gewehren und Schrotflinten. Die Prüfung besteht aus 3 Schüssen, die mit einer Waffe der entsprechenden Klasse auf eine Glasprobe abgefeuert werden. Es handelt sich dabei um ein gleichschenkliges Dreieck mit genau festgelegter Schenkellänge. Wenn das Glasmuster von den Schüssen nichtdurchdrungen wurde, ist die erforderliche Klasse erreicht. Hinter dem Glasmuster befindet sich eine Aluminiumfolie. Wenn die Folie nach dem Abfeuern der Schüsse Perforationen aufweist, muss der Widerstandsklasse der Buchstabe S für „Splinters” (Splitter) hinzugefügt werden, die Klassifizierung NS hingegen bedeutet „No Splinters” (keine Splitter).
Was ist vorgespanntes Glas?

- Einscheibensicherheitsglas (ESG)
Bei der Herstellung des vorgespannten Sicherheitsglases (Einscheibensicherheitsglas (ESG)) wird das Glas einer Wärme- und Kältebehandlung unterzogen. Dadurch entstehen auf der Glasoberfläche hohe Druckspannungen und im Inneren der Scheibe eine ausgleichende Zugspannung, sodass die Festigkeit des Glases erhöht wird.
Wie es funktioniert:
Die hohen Druckspannungen verleihen dem vorgespannten Sicherheitsglas seine erhöhte Beständigkeit gegen mechanische und thermische Beanspruchungen. Das Glas kann jedoch unter extremen Belastungen oder bei starken mechanischen Stößen brechen. Das vorgespannte Sicherheitsglas zerfällt in eine Vielzahl kleiner Glaskrümel, wodurch sich die Verletzungsgefahr reduziert.
Was ist Verbundsicherheitsglas?

- Verbundsicherheitsglas (VSG)
Verbundsicherheitsgläser (VSG) bestehen aus zwei oder mehreren Glastafeln, die durch eine oder mehrere innen liegende Kunststofffolien miteinander verbunden sind. Das am häufigsten eingesetzte Material für die Zwischenschichten ist Polyvinylbutyral (PVB).
Wie es funktioniert
Bei Beschädigungen jeglicher Art geben die Folien der Verglasung Stabilität, indem die Bruchstücke in Position gehalten werden. Die Glasfragmente bleiben dabei fest mit dem Material der Zwischenschicht verbunden.
Sicher ist sicher: Gläser im Verbund.
Ihre Schutzfunktion vor Einbruch, Überfall und Vandalismus erzielen ALLSTOP® PRIVAT und ALLSTOP® Panzerglas durch einen mehrschichtigen Aufbau. Mehrere Glastafeln und hoch reißfeste Folien werden zu speziellen Verbundglasaufbauten verarbeitet und bilden je nach Widerstandsklasse unterschiedlich dicke Glaspakete. Im Vergleich zu normalem Floatglas bewahrt der Verbund somit auch bei Beschädigung Stabilität, behindert den Durchbruch bzw. verzehrt die Energie eindringender Geschosse.
Besonders der erhöhte Personenschutz im privaten und öffentlichen Leben erfordert oftmals zusätzliche Sicherheitseigenschaften. Um einen möglichst wirksamen Schutz zu gewährleisten, sind die ALLSTOP® Panzergläser auch auf ihre Durchschusshemmung oder Explosionshemmung geprüft. Festgelegte Tests mit manuellen Angriffen, verschiedenen Waffen und Munitionsarten sowie Explosionsdruckwellen ermöglichen eine differenzierte Staffelung der Sicherheitswirkung, die zum Schutz gefährdeter Personen und Objektbereiche risikospezifisch wählbar ist. In jedem Fall lohnt sich ein Beratungsgespräch mit der Kriminalpolizei oder Sicherheitsberatern. Denn Planungssorgfalt beugt Personenschäden ebenso wie hohen Sachschäden vor.
Wirkungsvolle Zusatzfunktion
Es gibt die Möglichkeit, den Faktor „Sicherheit“ noch weiter zu erhöhen: durch den Einsatz von Alarmglas in Verbindung mit einer Einbruchmeldeanlage.
SIGLA® Alarmglas:
Ein Verbundsicherheitsglas mit Abschreckungseffekt, in dessen Kunststoff Zwischenschicht gut sichtbar ein dünner Alarmdraht mäanderförmig eingebettet ist. Bei Zerstörung der Glasscheibe reißt der dünne Alarmdraht, wodurch die angeschlossene Einbruchmeldeanlage aktiviert wird. SIGLA® Alarmglas ist mit Flächen- (sichtbar) oder Randanschluss (verdeckt) lieferbar.
DELODUR® Alarmglas:
Die äußere, der Angriffsseite zugewandte Glasscheibe wird als DELODUR® Alarmglas ausgeführt. Bei Zerstörung der Glasscheibe löst die unauffällig auf der Glasoberfläche zum Scheibenzwischenraum eingebrannte Leiterschleife über die angeschlossene Einbruchmeldeanlage das Alarmsignal aus.
SIGLA® Alarmglas und DELODUR® Alarmglas sind eine optimale Ergänzung zu den ALLSTOP® und ALLSTOP® PRIVAT Sicherheitsgläsern. Der Angreifer löst zunächst Alarm aus und wird dann am weiteren Vordringen durch ein Verbund-Sicherheitsglas aufgehalten. Der Zeitaufwand zum Durchdringen des Verbund-Sicherheitsglases richtet sich nach dem gewählten Glastyp. Für den privaten Bereich empfehlen wir sich an den Mindestanforderungen der VdS Schadenverhütung zu orientieren.
Weitere Informationen und den Sicherheitsglas-Finder finden Sie hier.


